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Quantic – modernes Lernen

Eigentlich war es eine Spontanentscheidung. Im Sommer 2018 hatte ich einmal mehr das Bedürfnis nach einer Weiterbildung. Ich bezeichne mich als sehr wissbegierige Person mit sehr breitem Interessensspektrum. Am liebsten würde ich zahlreiche Weiterbildung gleichzeitig angehen, wenn da der Faktor Zeit nicht wäre.
Bei meinem Research nach einer neuen Weiterbildung bin ich auf das Executive MBA von Quantic School of Business and Technology (resp. Pedago) gestossen. Gefallen hat mir, dass die Ausbildung onlinebasiert ist und man daher sehr flexibel sein Studium einrichten kann und das Ganze mit einem Mobile-first-approach angegangen wird. Bei meinem aktuellen Job als Director Digital bin ich regelmässig am Pendeln und auch immer wieder auf Auslandreisen. Diese Reisezeiten lassen sich besser einsetzen als langweilige Pendler-Zeitungen durchzublättern oder den neverending Instafeed zu sichten. Daher hat mich dieses Weiterbildungskonzept sehr angesprochen.

Who the f*ck is Pedago? 

Hinter Pedago stecken keine No-Names, sondern ein grosser Teil des Kernteams von Rosetta Stone. Rosetta Stone ist eine Lernplattform für das erlernen von Sprachen und hat zahlreiche Preise gewonnen. Im Zuge der Weiterbildung zum eidg. dipl. Web Project Manager haben wir diese Plattform im Detail analysiert und auch als Anwender getestet. Insbesondere unser E-Learning-Dozent waren hellauf begeistert von dieser Lernplattform. «Quantic School of Business and Technology» hat schon einige Preise abgesahnt.

Der Bewerbungsprozess bei Quantic

Nachdem ich auch zahlreiche Erfahrungsberichte im Web gelesen habe, habe ich während meinen Sommerferien – auf dem Liegestuhl – spontan für das EMBA beworben. Einige Tage später kam dann auch die Einladung für ein persönliches Interview – natürlich online. Zeitgleich wurde einem die Lernplattform mit einem exemplarischen Fach freigeschalten und man konnte bis zum Interview ein paar Lektionen mit dem System testen um einen ersten Eindruck zu erhalten, der meinerseits sehr positiv ausfiel. Einige Tage nach dem Gespräch kam dann eine E-Mail dass mein Enrollment akzeptiert wurde und ich mit der  nächsten Kohorte starten kann. So gesagt, so getan.

Quantic Class mates

«Wer sind wohl meine Klassenkameraden?» habe ich mich vor dem Start gefragt. Die Frage wurde einem gleich beim Schulstart beantwortet. Jeder musste sich über Slack in ein paar wenigen Sätzen vorstellen sowie Link zum Linkedin-Profil. Ebenfalls gibt es auf der Plattform eine Weltkarte wo sämtliche Quancitc-Studenten – also auch diejenigen von der eigenen Klasse aufgeführt sind. Ein Grossteil kommt aus den Vereinigten Staaten (USA), vom Rest kam die Mehrheit aus Europa, weitere wenige aus Asien, Australien, den Emiraten und Afrika.
Quantic organisiert an diversen Standorten (Washington, Dublin, Singapur) freiwillige aber kostenpflichtige Events. Dort sind im Rahmen der Veranstaltung Vorträge, Stadtbesichtigungen und Networking vorgesehen.
Es gibt aber auch zahlreiche inoffizielle von Studenten initiierte Meetups – auch in der Schweiz.
In einer physischen EMBA-Klasse vor Ort kommt man sicherlich intensiver in den Kontakt mit anderen Studenten. Man kann sich in Pausen über den Schulstoff (und auch anderes) unterhalten oder nach Schulschluss ein Feierabendbier gönnen. Diese Kontakte werte ich als hochwertiger und auch nützlicher für die Zukunft ein.
Auf Slack werden in unregelmässigen Abständen auch Artikel/Success Stories von Quantic-Studenten publiziert (S&P, Funding, Buchveröffentlichungen).

Kommunikation

Die Kommunikation während des Unterrichts mit Quantic und den Klassenkameraden erfolgt über Slack. Slack, für diejenigen die es nicht kennen, ist eines der aktuell populärsten Collaboration-Tools für Unternehmen auf dem Markt. Vereinfacht gesagt ist es ein „Whatsapp“ für Unternehmen und ersetzt/reduziert die Kommunikation per E-Mail. Ich nutze es beruflich tagtäglich und habe es sehr zu schätzen gelernt. Für jedes Fach gibt es einen eigenen Channel wo diesbezüglich dann die gesamt Kommunikation erfolgt. Studenten können sich untereinander austauschen und Quantic-Team-Member nehmen aktiv an den Diskussionen teil und stehen Rede und Antwort – auch am Wochenende. Ebenfalls werden wöchentlich Übungen (Exercises) publiziert. In der Regel ein Artikel oder ein Video passend zum aktuellen Fach mit der Aufforderung einen Kommentar auf Slack zu hinterlassen.
Wenn man persönliche Fragen an Quantic hatte, kann man auf Slack eine direkte Nachricht an die Quantic-Mitarbeitenden senden. Diese antworten dann in der Regel auch immer sehr zeitnah oder verweisen dich zumindest an eine andere Stelle. Alle Mitarbeitenden waren immer sehr freundlich und hilfsbereit.

Der Unterricht

Wie ist es mir ergangen? Ich bin begeistert von Quantic. Die Themen werden einem auf eine sehr humorvolle und auch aktive Art beigebracht. Einfach ein paar Seiten Material durchlesen gibt es hier nicht. Die Lerninhalte werden portioniert aufbereitet und man muss aktiv mitmachen. Entweder muss man lückenhafte Texte vervollständigen oder es gibt konkrete Fragestellungen (Multiple Choice). Die Inhalte sind didaktisch professionell aufbereitet. Also keine Texte von Fachidioten welche kein Laie versteht. Das gibt es bei Quantic nicht. Jeder Text ist didaktisch überlegt und einfach verständlich formuliert. Neue Begriffe werden jeweils eingeleitet oder man versteht diese im Kontext. Manche Begriffe sind unterstrichen und können angetippt/angeklickt werden und werden weiter erläutert oder verweisen auf weiterführende Links zu externen Artikeln. Neu erlerntes wird geschickt in Folgelektionen zur Repetition eingebaut. Mit dieser Lernmethodik kann es nicht vorkommen, dass man den Schulstoff nicht kapiert, da man kontinuierlich immer wieder abgefragt wird.
Der Unterricht erfolgt in englischer Sprache. Als «non-native English speaker» habe ich den Schulstoff aber sehr gut verstanden. Bei manchen Fachbegriffen musste ich aber dennoch im Online Dictionary nachsehen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es ein offizielles Online-Wörterbuch gäbe, welches einem auf Anhieb die korrekte Übersetzung anzeigt. In den Einstellungen der Lernplattform kann man auch auf andere Sprachen wechseln – die Deutsche Sprache wird aber nicht abgedeckt.

Etwas Spass muss sein

Die Lerninhalte sind auf eine sehr humorvolle Art und Weise geschrieben, so dass man immer wieder „schmunzeln“ muss. Bei Rechenaufgaben (Finanzen z.B.) werden immer vereinfachte Zahlen verwendet, welche einfach im Kopf ausgerechnet werden können. Es geht ja primär darum das Prinzip zu verstehen und nicht um komplexe Rechenaufgaben an sich.

Die Hauptfächer

Es gibt 9 Hauptfächer, welche für alle Studenten gleich sind:
  • Business Foundations
  • Accounting
  • Markets and Economies
  • Data and Decisions
  • Leading Organizations
  • Marketing and Pricing
  • Strategy and Innovation
  • Finance
  • Operations Management

Die Spezialisierungen

Zu den Hauptfächern gibt es noch sieben Spezialisierungen wovon man mindestens drei wählen und abschliessen muss. Ich habe mich für Strategic Thinking, Advanced Corporate-Level Strategy und Startup Entrepreneurship entschieden. Für die Spezialisierungen werden im Jahresplan explizit drei Lernphasen eingeplant. Während diesen Phasen muss auch kein anderer Schulstoff absolviert werden (abgesehen vom Abschlussprojekt).
Alle Spezialisierungen im Überblick:
  • Data Analysis
  • US Business Law
  • Strategic Thinking
  • Supply Chain and Operations
  • Advanced Finance
  • Advanced Corporate-Level Strategy
  • Startup Entrepreneurship

Weitere Freifächer

Nebst den Hauptfächern und Spezialisierungen gibt es in der «Library» noch weitere Fächer welche man freiwillig machen kann.
Beispiel Freifächer:
  • Excel for Finance
  • Exploring Data Science Landscape
  • Derivatives
  • Personal Investing
  • Introduction to Entrepreneurship
  • E-Commerce Pricing
  • Photography Basics
Das Gute ist, dass man auf sämtliche Inhalte auch nach Abschluss zugreifen kann. Selbst auf neu aufgeschaltete Lerninhalte hat man lebenslang Zugriff. Wo gibt es das sonst?

Smartcases

Nach zirka 6-8 Lektionen ist ein Kapitel abgeschlossen und man muss einen Smartcase sprich. einen Test/eine Lernkontrolle durchführen. Diese muss man mit 80% bestehen, kann diese aber auch wiederholen. Anschliessend werden Zusammenfassungen zum behandelten Thema in Form eines PDFs freigeschalten.

Exam

Sobald alle Kapitel abgeschlossen sind, gibt es eine Schlussprüfung (Exam) welche bis zu einem bestimmten Datum abgeschlossen werden muss. Im Gegensatz zu den Smartcases kann man ein Exam nicht wiederholen und muss dieses zwingend bestehen – was aber grundsätzlich machbar ist.  Die Prüfungen sind alle «Open Book» – es kann also während der Prüfung „gegoogelt“ oder alter Lernstoff konsultiert werden.

Case Studies

Während dem Studium muss man zwei Case Studies abschliessen. 1x Mal eigenständig und 1x in einer 2er-Gruppe. Die Gruppenarbeit habe ich mit einem griechischen Investmentbanker absolviert. Mittels Zoom/Skype haben wir uns abends jeweils getroffen und den Case Study gemeinsam aufbereitet. Das hat sehr gut funktioniert und auch Spass gemacht. Eigentlich hätte ich mir mehr solche Case Studies erhofft, weil ich diesen realen Case Studies als sehr spannend und auch lehrreich empfand. Die Case Studies sind von der Harvard Business School aufbereitet und man kann diese auch als Privatperson direkt erwerben – das werde ich in Zukunft sicherlich mal machen.

Capstone Projekt

Im Rahmen des Studiums muss man auch eine Abschlussarbeit machen. Konkret muss man einen Business Plan für ein Unternehmen schreiben. Dies kann als Einzelperson oder in der Gruppe erfolgen. Ich habe mich für letzteres entschieden.
Nach Abgabe des Business Plans war dann auch eine Pitch-Präsentation fällig, welche dann präsentiert werden musste.

Den Studenten wird auch die «ABI/INFORM Collection»-Datenbank von Proquest zur Verfügung gestellt. Hier findet man zahlreiche Artikel, Studien, Branchenberichte, Videos zu fast allen beliebigen Themen und auch in unterschiedlichen Sprachen. Dies kommt insbesondere beim Capstone Projekt zum Einsatz.
Im Rahmen der Abschlussarbeit kann man auch ein Meeting mit der Bibliothekarin (Librarian) vereinbaren. Diese unterstützt dich bei der Herangehensweise und der Suche nach konkreten Informationen – das war in der Tat ein sehr spannendes Gespräch und Sie hat auch anschliessend einiges an Informationen zusammengesucht und per E-Mail bereitgestellt.

Book Club

In unregelmässigen Abständen finden auch immer Buchbesprechungen statt. Das Buch wird vorgehend bekannt gegeben und jeder der möchte, kann dieses lesen und anschliessend in der Gruppe besprechen.

Der Abschluss

Die «Quantic School of Business and Technology» ist akkreditiert – also ein offizieller Abschluss.

Fazit

Quantic gibt sich wirklich grosse Mühe, einen lehrreichen wie auch spannenden Unterricht zu gestalten.
Im Vergleich zu den MOOC (Massive Open Online Course) wie z.B. Coursera ist das Lernen einiges interaktiver und auch persönlicher aufgebaut – sprich. weniger eine Massenabfertigung (klar im Gegensatz zu den meisten MOOCs ist das Studium auch kostenpflichtig). Preislich gestaltet sich das EMBA von Quantic im Vergleich zu klassischen EMBAs sehr sehr sehr attraktiv. Würde ich das Studium wieder machen? Ja, auf jeden Fall.

Geschrieben im September 2019.
Aktualisiert im April 2020 (Update Namenswechsel von Smartly zu Quantic).

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Michael Wegmüller
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